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Politische Blogger - Bloggende Politiker (II): Medienkompetenz und Persönlichkeit

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Vor nicht allzu langer Zeit machte dieses Video die Runde durch die deutsche Blogosphäre. Anders als die meisten Kommentatoren und auch anders als die Moderatorin hat mich der Beitrag weder überrascht, noch geschockt.Zugegeben, schmunzeln musste ich schon, aber die Antworten sind keineswegs atypisch für die Generationen, aus denen die befragten Politiker stammen.




Medienkompetenz
Stellt sich die Frage nach der Medienkompetenz.

Können Politiker, die nicht täglich im Internet surfen medienpolitische Entscheidungen treffen?
Die Antwort ist einfach: ja, sie können.

Um es auf den Punkt zu bringen: technische Kompetenz hat nichts mit Medienkompetenz zu tun. Es wäre nicht das erste Thema, bei dem Entscheidungen auf Basis von Gutachten getroffen werden. Spitzenpolitiker müssen die Vorarbeiten ihrer Mitarbeiter und die Beiträge von Experten gewichten und einordnen, entscheiden und die Entscheidung durchsetzen und vermitteln.

Können Politiker, die den Namen des Fensters, in dem Internetseiten dargestellt werden nicht kennen, ein Weblog schreiben?
Die Anwort ist einfach: ja, sie können.

Wie ein Text ins Internet kommt und wie der Dialog organisiert wird ist unerheblich. Es kann von Vorteil sein, wenn ein bloggender Politiker in der Lage ist seine Seite selbst zu betreuen, zwingend notwendig ist es nicht. Auch dafür gibt es Berater und Mitarbeiter. Die Zahl derer, die ihre Arbeitsprozesse zukünftig stärker mit Hilfe des Internet organisieren wird steigen und damit auch die derjenigen, die unvermittelt und direkt über ihr Weblog kommunizieren. Wie oben erwähnt- eine reine Generationenfrage.

Persönlichkeit
Weit wichtiger als die Frage der Technik, ist die Frage des Inhalts. Es mag meinem persönlichem Geschmack geschuldet sein sein: ich lese Weblogs dann aufmerksam und dauerhaft, wenn die Persönlichkeit (real oder virtuell) deutlich hervortritt und interessant erscheint. Anders gesagt, wenn das Weblog eine “Seele” hat. Ohne “Seele” bleibt der Auftritt eine klassische Newsseite, die eine Weblogsoftware als CMS einsetzt.

Politische Mandats- und Funktionsträger sind Personen des öffentlichen Lebens. Sie sind meist rhetorisch geschult und (soweit ich das beurteilen kann) Meister der Anekdote. Vielmehr braucht ein Blogger eigentlich nicht. Ob ein Blog das richtige Instrument ist oder nicht, entscheidet sich aber nicht allein an den Fähigkeiten des Politikers. Wenn das Ganze eine “Seele” bekommen soll, so muss er die Entscheidung dafür oder dagegen zuallererst persönlich treffen. Gerne unter Einbeziehung von Beratern, aber höchstpersönlich und für sich selbst. Schließlich muss der Politiker das Schreiben und eben auch den Dialog in seine Arbeitsprozeße einbeziehen.

Viele Texte für (und auch von) Politiker(n) werden von Mitarbeitern verfasst. Das ist ein offenes Geheimnis. Zuweilen bestehen zwischen den Autoren und der öffentlichen Persönlichkeit durchaus symbiotische Verhältnisse. Ein guter Schreiber ist in der Lage einen Beitrag so zu verfassen, als käme er direkt aus der Feder des Auftraggebers. Dennoch halte ich diesen Weg für das führen eines Weblogs für ungeeignet. Zum einen stehen hinter jedem Text mehrere Abstimmungsrunden, was dem Internet als “schnellem Medium” irgendwie nicht gerecht wird und zum anderen verwässert ein solcher Arbeitsprozess eben die “Seele”, die Persönlichkeit. Erst wenn sich ein Mandats- oder Funktionsträger persönlich mit den stilistischen Gepflogenheiten des Bloggens auseinandersetzt, ist gewährleistet, dass die Plattform nicht zur Ablage für Textbausteine oder Pressmitteilungen wird.

Dem Anspruch, dem Weblog eine “Seele” zu geben stehen natürlich zwei wesentliche Faktoren entgegen: Politiker handeln in einen sehr engen Zeitbudget (Teil III) und unter den Restriktionen, die ihnen das Mandat oder die Funktion auferlegen (Teil IV).

*Ich hab gerade gesehen, dass der Tex nicht gegendert ist. Hole ich natürlich nach.

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