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Politische Blogger - Bloggende Politiker (I): Ideologie und Benefits

Wie hier angekündigt, ein paar Notizen zur Frage:

“Warum könnten/dürften/sollten Politiker eigentlich bloggen?”

Da ich kein hard blogging scientist bin, sondern eher ein lazy blogging privateblogger, verzichte ich erstmal auf allzu viele Zitate, Fußnoten oder Definitionen und versuche mich als Hobbyessayist. Ich werde den Text auf mehrere Beiträge aufspliten. Das hat den Vorteil, dass ich das Schreiben zeitlich einteilen kann und dient sicher auch der Übersichtlichkeit. Sicher werde ich auch an der einen oder anderen Stelle mal streichen, ergänzen und ändern, das aber dann auch kenntlich machen.

Die Frage lässt sich unter zwei Aspekten erörtern:

  • einem eher ideologischem Blickwinkel (Demokratisierung)
  • einem eher praktischem Blickwinkel (konkrete Benefits)

Ideologie
Politiker sind Personen, die ein politisches Amt oder eine politische Funktion bekleiden, beruflich oder ehrenamtlich. Sie stellen allgemeinverbindliche Entscheidungen her und unterwerfen sich dafür bestimmten Prozessen und Regeln. Einmal im Amt oder in Funktion handeln sie meist repräsentativ. Das heißt, sie sind in ihren Entscheidungen für einen gewissen Zeitraum relativ unabhängig gegenüber der Instanz, die sie gewählt oder berufen hat. Gepaart mit dem Vorwurf mangelnder Transparenz wird das nicht selten als Demokratiedefizit kritisiert

Ein Weblog böte den handelnden Politikern die Möglichkeit seine Arbeit und seine Entscheidungen transparent zu machen, die delegierenden Instanzen in seine Entscheidungen einzubeziehen und Demokratie ein Stück weit direkter zu gestalten. Soweit die Theorie. Theoretisch sicherlich stimmig.

Einen Gedanken dazu: Demokratie und insbesondere direkte Demokratie lebt eher von handelnden Individuen, als durch die Werkzeuge, die sie benutzen. Das Internet ist lediglich ein Werkzeug. Weder Politiker, noch Bürger werden demokratischer handeln, nur weil ihnen ein neues Werkzeug an die Hand gegeben wird. Derer gibt es auch in der analogen Welt reichlich.

Benefits
Für das Betreiben von Weblogs durch Politiker gibt es eine ganze Reihe an praktischer Gründe, die sich teilweise mit dem ideologischen Aspekt decken oder sich daraus herleiten lassen.

Politiker handeln selbstverständlich nie völlig unabhängig.

  • Sie bewegen sich in einem Netz aus Mitarbeitern, Beratern, Kollegen, Amts- und Funktionsträgern anderer Organisationen, Familienmitgliedern, Bürgern, Lobbyisten etc. etc. etc.
  • Sie handeln im Rahmen der Ämter oder Funktionen welche sie besetzen.
  • Sie treffen Entscheidungen in einer Gemengelage aus eigener Überzeugung, Umfragen, Expertenmeinungen, Beschlüssen der Organisationen oder Institutionen denen sie angehören.
  • Sie müssen für ihre Entscheidungen Mehrheiten organisieren. In kleinen internen Zirkeln, in Gremien, in der Bevölkerung.
  • In der Regel wollen Sie in Amt oder Funktion verbleiben oder aufsteigen, also wiedergewählt oder wiederernannt werden.

Ein Weblog kann bei all dem ein hilfreiches und effizientes Arbeitsinstrument sein:

  • In erster Linie ist es natürlich ein Instrument der Öffentlichkeitsarbeit. Es bietet einen zusätzlichen Kanal, um die eigenen Positionen an eine breite Öffentlichkeit zu vermitteln, direkt (im Gegensatz zu klassischen Medien) und persönlich (im Gegensatz zu einer statischen Internetseite). Je nach strategischer Ausrichtung kann ein bloggender Politiker Informationen, von der tiefgehenden programmatischen Reflexion, bis zum privaten Boulevard unterbringen. Letztendlich ist auch das Schaffen von Transparenz, in Bezug auf den eigenen Arbeits- und Denkprozess eine Art der Öffentlichkeitsarbeit, womit wir an den oben beschriebenen ideelen Part anschliessen.
  • Im günstigen Fall ist es ein Instrument der Pressearbeit. Themen, die über ein Blog publiziert werden, können schnell durchs Netz und bis in die klassischen Medien hinein ventiliert werden. Vorausgesetzt, sie besitzen eine gewisse Relevanz.
  • Weblogs unterstützen die Bildung, die Verwaltung und den Ausbau von Netzwerken. Die Vernetzung von Informationen oder Personen in Blognetzwerken fördern darüber hinaus die Sichtbarkeit des Einzelnen in unserer Wahrnehmung des Internet. Stichwort: Googleranking.
  • Last but not Least: erhalten bloggende Politiker ein kontinuierliches Feedback zu ihrer Arbeit. Für jemanden, der Mehrheiten organisieren muss ist das eigentlich Goldstaub, wenn er es versteht die Kommentarlage richtig einzuordnen und damit konstruktiv umzugehen.

Die Entscheidung für oder gegen ein Weblog und die Art des Bloggens ist von Faktoren wie

  • Persönlichkeit
  • Funktion oderAmt
  • Arbeitsweise und Zeitbudget
  • Diskussionskultur im Internet

abhängig. Und die kommen dann beim nächsten mal unter die Tastatur.

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