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Politische Blogger - Bloggende Politiker (III): Zeitbudget und Arbeitsprozesse

Das ThemaBloggende Politikerist ja nun in aller Munde. Da fiel mir doch gerade ein, dass dazu noch ein Entwurf auf  meinem Tellerrand lag.

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Zeit ist nicht nur für politische Mandatsträger und Funktionäre eine zentrale Ressource. Auch wenn das “Zeitargument” für einige ein Scheinargument ist, so ist es doch ein gewichtiges.

Abhängig von Mandat, Funktion oder Engagement sind die Terminkalender vieler Politiker lückenlos. Selbst enge Mitarbeiter müssen sich teilweise für Rücksprachen zwischen zwei andere Einträge quetschen. Manchmal bleibt sogar nur eine Autofahrt, um Dinge abzustimmen. Pech für den Referenten, der eigentlich gar nicht dahin wollte, wo der Politiker gerade hinfährt. Das ist sicher nicht der Regelfall, aber auch nicht so selten, wie man denkt.

Auch wenn man den technischen Prozeß vernachlässigt, auch wenn Mitarbeiter unterstützend unter die Arme greifen, bleibt das Bloggen ein sehr komplexer Arbeitsprozess aus Recherche, Texten, Diskutieren. Den bewältigt man nur, wenn ihn verinnerlicht und es schafft ihn das Korsett aus Aktenstudium, Reden, Ortsterminen, Entscheidungsfindung etc. pp. zu integrieren. Das heißt, der Mandats- oder Funktionsträger muss seine Arbeitsweise umstellen und dazu sind nicht alle bereit, bzw. in der Lage. Sei es aus Altersgründen, sei es aus der Erkenntnis heraus, dass ein 1:30 Statement in der Tagesschau ein vielfaches von denen erreicht, die man mit Blogs erreichen kann.

Die gemeine Umlauf-, oder Vorlagemappe ist immernoch eines der wichtigsten Dokumentenmanagementsystem im Politikbetrieb. Digitale Systeme werde zumeist als unkomfortabel empfunden:

“Notizen an den Rand zu schreiben geht schneller oder auf Papier kann ich gründlicher arbeiten.”

Das mag auch zutreffen, es spiegelt aber eine Grundeinstellung wider, die dem Bloggen an sich entgegensteht. Ernsthaft bloggen heißt eben lange Texte am Bildschirm lesen, fundierte Aussagen am Rechner schreiben und Kommentare mit Hilfe des Computers hinterlassen. Mitarbeiter können Technik und Recherche übernehmen, nicht aber das Texten und Diskutieren.

Bloggen heisst auch kontinuierlich zu schreiben. Niemand hat bisher Artikelfrequenzen für allgemeinverbindlich erklärt, aber nur mit erträglichen Abständen hält und gewinnt man Leser. Das bedeutet in letzter Konsequenz, dass Politiker “in Blogs denken”, den Tagesablauf auf Blogbares abklopfen müssen. Eine enorme Umstellung.

Schließlich können Politiker nicht einfach so dahinschreiben. Aussagen werden oft auf sensibel eingestellte Goldwagen gelegt. Unbedachte Aussagen können harte Konsequenzen nach sich ziehen. Das sind Politiker gewöhnt, das sind die Spielregeln im Politbetrieb. Ein persönliches Weblog, eine öffentlich im Internet geführte Diskussion stellt, aufgrund der Schnelligkeit von Aussagen hohe Anforderungen an das “Feingefühl” von Politikern und erfordert ein Umdenken in der Arbeitsweise.

Funktions- und Mandatsträger sprechen in der Regel nicht für sich selbst, sondern eben in der Funktion oder für das Mandat, welches sie inne halte. Das berührt zum Teil die Arbeitsweise, da dazugehörigen die Abstimmungsprozesse Teil der Arbeit sind. Auch hier muss sich ein bloggender Politiker und sein Entourage umstellen. Es ist aber vor allen Dingen eine Frage der demokratischen Strukturen und der Führungskultur in der Politik und das hebe ich mir für´s nächste mal auf.

4 Anmerkungen to “Politische Blogger - Bloggende Politiker (III): Zeitbudget und Arbeitsprozesse”

  1. Klaus Lübke Blog merkt an:

    Ich blogge, also bin ich? Erfahrungen als Politikblogger…

    In diesen Tagen wird viel über Blogs und Politik geschrieben. Neben Robert Basic, der über bloggende Politiker berichtet, schrieb der Hamburger Nico Lumma auf seiner Seite einen Beitrag in dem er berichtet, das er seit 2003 jeden Politike…

  2. Hansjörg Schmidt merkt an:

    Weblogs kosten jede Menge Zeit. Der Faktor Zeit ist aber gerade bei Kommunalpolitikern ein rares Gut, denn sie üben ihr Mandat neben dem eigentlichen Beruf aus. Hinzu kommt, dass ein Kommunalpolitiker keine Mitarbeiter und so gut wie keinen Arbeitsstab hat, der Dinge für ihn erarbeitet. Gleichzeitig bietet sich aber gerade für findige Kommunalpolitiker mit Weblogs ein Mittel, um eine eigene Öffentlichkeit zu erzeugen.

  3. ml merkt an:

    An die Kiste mit den Autofahrten kann ich mich auch erinnern. Möchte gar nicht wissen (habs nicht gezählt) wie oft ich in Orten war an die ich gar nicht wollte. Oder Veranstaltungen miterlebt habe, die mich nicht die Bohne interessierten, nur um endlich mal Briefe vom MdB unterschrieben zu bekommen.

  4. Politikblogger - ein Überblick at Robin Haseler merkt an:

    [...] So, ich hoffe ihr verkraftet diese wilde Linksammlung. Ich hoffe ich habe möglichst viele wichtige Artikel gelesen und hier aufgeführt. Leider habe ich gerade nicht die Zeit, die Links zu kommentieren. Schaut sie einfach mal an. Sie sind möglichst chronologisch geordnet.[...]

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